Fundstellenbeschreibung

von 

Gibelsbach Im Wallis

Ein Fundstellenbericht von Christian Bracke.

Dieser Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder vertiefte wissenschaftliche Betrachtung, er ist vielmehr eine Darstellung einer zwar wohl bekannten, aber leider nur selten von Strahlern beschriebenen Fundstelle. Zu Unrecht, wie ich meine.

In der Literatur gibt es verschiedene Schreibweisen, ich habe mich für die Version der Landeskarte der Schweiz, Blatt Nr. 1269 (1:25.000) entschieden: Gibelbach.

Der Gibelbach, nordwestlich Fiesch im Wallis gelegen, ist eine schon sehr lange bekannte und leicht erreichbare Fundstelle in ca. 1350 müM. Ich habe dort in den letzten 15 Jahren regelmäßig Mineralien gesammelt, zumeist in den ersten Tagen meines jeweiligen Aufenthaltes im Wallis, um mich so als Tieflandbewohner und Büro-Hocker wieder an das Strahlen und die Umgebung zu gewöhnen.

Der klassische Fundbezirk erstreckt sich auch deutlich östlich und westlich der beschriebenen Stelle (z.B. Altbach, Bärfetgraben, mit Abweichungen in der Paragenese), ich möchte mich aber in diesem Bericht hauptsächlich auf den Gibelbach beschränken.

In einer Spaltenbreccie gibt es hier eine Mineral-Paragenese, die sich meines Wissens in ihrer Zusammensetzung deutlich von anderen Kluftparagenesen der Schweiz unterscheidet. Die für das Aarmassiv typische Paragenese umfasst vor allem Quarz (Bergkristall, Rauch-quarz, Amethyst), Adular, rosa Fluorit, Hämatit, Apatit, Amiant, Calcit, Chlorit, diverse Zeolithe etc., gekrönt von Raritäten wie z.B. Milarit, Phenakit und so weiter. Nicht jedoch am Gibelbach, hier umfasst die Paragenese vor allem (Parker et al.: Fundortgruppe 5a):

Quarz: Bergkristall in kleinen xx bis ca. 1 cm Länge, farblos oder weiss, er ist scheinbar immer zuerst kristallisiert, da die anderen Mineralien stets auf ihm aufgewachsen sind..

Fluorit: xx bis ca. 2 cm, farblos bis grün (nie rosa !) und immer oktaedrisch, z.T. mit bräunlichen Einschlüssen und Phantomen. Die grünliche Farbe ist aufgrund einer IR-Rückstrahlung auf Fotos praktisch nicht darstellbar, die Fluorite sind dann gräulich, bräunlich oder gelblich.

Stellerit: xx bis ca. 2 cm, z.T. schöne Garben bildend, schneeweiss bis creme-farbig. Dieses Mineral hielt man früher für den optisch ähnlichen Stilbit/Desmin, bei einer genauen Betrachtung dieser Fundstelle wurde dieses Mineral aufgrund seiner Chemie jedoch als Stellerit bestimmt (Armbruster et al 19??). Es handelt sich dabei um eine der wenigen Fundstellen dieses Minerals in der Schweiz. In wieweit es sich bei an anderen Orten gefundenen Stilbiten ebenfalls um Stellerit handelt, muss wohl noch untersucht werden.

Heulandit: xx bis ca. 2 cm, glasklar bis porzellanweiss, z.T. mit Perlmutt-glanz. Häufigster Zeolith der Fundstelle.

Epistilbit: xx bis ca. 1 cm, weiss oder creme-farbig, in schönen Aggregaten. Die hier gefundenen xx zählen wohl zu den schönsten und größten dieser Mineralart in der Schweiz.

Laumontit: xx bis ca. 5 mm, weiss, nicht so häufig wie die anderen Mineralien. Er verfällt vermutlich auch unter Wasserabgabe, wie leider die meisten Laumontite.

Chabasit: xx bis ca. 2 cm, schmutzig-weiss. In meiner Sammlung befindet sich lediglich ein Stück, das ich von einem Strahler geschenkt bekam, Eigenfunde konnte ich noch keine machen. Chabasit ist daher meines Erachtens viel seltener als die anderen Zeolithe.

Skolezit: xx bis ca. 2cm habe ich westlich des Gibelbachs gefunden, jedoch noch nicht an dieser Fundstelle.

Wulfenit: xx von maximal wenigen mm Größe. Ich habe ein Kriställchen von weniger als 1mm gefunden, das mir Dr. Beda Hoffmann optisch als Wulfenit bestimmt hat. Dies ist mit Sicherheit eines der seltensten Mineralien dieser Fundstelle und anderer Klüfte im Aarmassiv.

Mimetesit: soll auch vorkommen, hat sich bis jetzt aber meinen Nachstellungen entzogen. :-) Farblos, sechseckig, neben Wulfenit.

Pyrit: kommt öfter eingewachsen im Muttergestein vor, Würfel bis ca. 1,5 cm.

Meine Literatur zur Fundstelle: Landeskarte der Schweiz, Blatt Nr. 1269, 1: 25.000, "Aletschgletscher"; Mineralienlexikon der Schweiz, Wepf Verlag 1998; Die Mineralien der Schweiz, Birkhäuser Verlag 1990; Schweizer Strahler, Vol. 10, Nr. 9, Februar 1996 (im "aktuell"/Mittelteil); Die Mineralien der Schweizeralpen, Wepf Verlag 1940

Fotos: Das abgebildete  Stück ist aus  meiner Sammlung,